Hausarztpraxis Andreas M. Ploch Facharzt für Allgemeinmedizin Velaskostr. 2, 85622 Feldkirchen
Hausarztpraxis Andreas M. PlochFacharzt für Allgemeinmedizin Velaskostr. 2,  85622 Feldkirchen

Ein ganz offenes und deutliches Wort zu Wunschverordnungen:

 

Das Sozialgesetzbuch V, in welchem die Leistungen der Krankenkassen geregelt sind, ist kein Wünsch-Dir-was-Katalog, und eine Arztpraxis ist kein Kiosk, an dem man sich irgendetwas "holen" kann, von dem man glaubt, es zu benötigen. Vielen gesetzlich Versicherten ist dies leider nicht bewusst.

 

Über alle Diagnoseverfahren, Verordnungen, Überweisungen und Behandlungen, die zulasten der gesetzlichen Kassen abgerechnet werden sollen, und auch über die Ausstellung von Attesten und AU-Bescheinigungen entscheidet alleine der Arzt. Diese Entscheidung trifft der Arzt jedoch nicht aus einer Laune heraus, sondern ist dabei an strenge gesetzliche Regelungen gebunden. Die wichtigste Vorgabe für den Kassenarzt ist hierbei der § 12 SGB V. Darin ist nämlich im Grundsatz geregelt, welche Leistungen ein Kassenarzt auf Kosten der gesetzlichen Krankenkasse verordnen darf. Kassenärztliche Leistungen müssen mindestens vier Kriterien erfüllen: sie müssen wirtschaftlich, ausreichend, notwendig und zweckmäßig sein.

 

Gerne dürfen Sie mit mir auch über Wunschleistungen sprechen, welche diese vier Kriterien nicht erfüllen. Ich darf solche Leistungen jedoch nur auf privater Leistungsebene anbieten, d.h. Sie erhalten hierfür eine Privatrechnung.

 

Rückwirkende Bescheinigung der Arbeits- oder Schulunfähigkeit

 

Hartnäckig hält sich der Irrglaube, ein Arzt dürfe Atteste über Arbeitsunfähigkeit, Schulunfähigkeit etc. ohne weiteres auch rückwirkend ausstellen. Tatsächlich dürfen rückwirkende Atteste aufgrund des Arztrechts nur in seltenen Ausnahmefällen ausgestellt werden.

 

Das sollten Sie daher beachten, wenn Sie ein ärztliches Attest über krankheitsbedingte Arbeits- oder Schulunfähigkeit benötigen:

 

In den meisten Fällen benötigen Sie als Arbeitnehmer eine AU-Bescheinigung erst ab dem dritten Kalendertag. Es genügt also, am dritten Krankheitstag den Arzt zu konsultieren. Dieser kann die AU-Bescheinigung zwar erst ab diesem Tag ausstellen, die zwei vorangegangen Kalendertage gelten dann aufgrund §5 des Entgeltfortzahlungsgesetzes als entschuldigt gefehlt.

 

Gemäß den Schulordnungen für die öffentlichen Schulen in Bayern kann die Schule beim Fehlen eines Schülers wegen Erkrankung ein Attest ab dem vierten Fehltag sowie bei angekündigten Prüfungen verlangen. Einzelnen Schülern darf die Attestpflicht ab dem ersten Fehltag auferlegt werden, wenn dafür Gründe, wie bspw. häufige Fehltage vorliegen. Grundsätzlich ist eine Rückdatierung des Attests auf den ersten Fehltag auch für Schüler nicht möglich, wenn sie sich an diesem Tag nicht in Behandlung befunden haben.

 

Sollten Sie bereits für den ersten Tag der krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit oder Schulunfähigkeit ein ärztliches Attest vorlegen müssen, bedeutet dies leider, dass Sie auch am ersten Krankheitstag zum Arzt müssen. Wenn Sie aus medizinischen Gründen keinen Arzt aufsuchen können, bitten Sie um einen Hausbesuch oder beauftragen Sie den kassenärztlichen Bereitschaftsdienst (nachts und an Wochenenden).

 

 

 

Prüfungsunfähigkeit

 

Schüler und Studenten, die aufgrund einer Erkrankung nicht an einer angekündigten Prüfung teilnehmen können und daher ein Attest benötigen, müssen sich spätestens zum Zeitpunkt der stattfindenden Prüfung bei mir vorstellen. Eine rückwirkende Attestierung einer Prüfungsunfähigkeit - auch um Stunden - ist generell nicht möglich.

 

An die Prüfungsunfähigkeit müssen allerdings strenge Maßstäbe angelegt werden. Bagatellhafte Gesundheitsstörungen, wie z.B. leichte Infekte, Magenschmerzen oder Kopfschmerzen bedingen in aller Regel keine Prüfungsunfähigkeit.

 

 

Verordnung von Osteopathie

 

Viele Kassen erstatten mittlerweile zu Werbezwecken und aus wettbewerblichen Gründen das Verfahren der Osteopathie, obwohl diese im Heilmittelkatalog nicht vorgesehen ist. Hierzu ist ein Privatrezept des verordnenden Arztes erforderlich, das mit der Rechnung zur Erstattung bei der Kasse eingereicht wird. Nicht selten wird daher der Wunsch nach einer Verordnung von Osteopathie an den Arzt herangetragen.

 

Ich mache meine Patienten hiermit darauf aufmerksam, dass ich keine Wunsch-Rezepte über osteopathische Behandlungen ausstelle. Wenn überhaupt, behalte ich mir persönlich die Entscheidung über die Ausstellung eines solchen Rezeptes vor, jedoch nur, wenn die üblichen Heilmittel (Krankengymnastik, Manuelle Therapie, Massage etc.) ausgeschöpft wurden und nachweislich nicht zum Erfolg geführt haben.

 

Bei der Osteopathie handelt es sich um ein wissenschaftlich nicht abgesichertes Außenseiter-Verfahren, welches zudem in vielen Fällen von Personen ausgeübt wird, die medizinisch unqualifiziert und nicht Teilnehmer des gesetzlichen Gesundheitswesens sind. Die Bezeichnung "Osteopath" ist nicht geschützt, eine einheitliche Ausbildung in Osteopathie gibt es nicht. Ich kann es daher nicht mit meinem ärztlichen Ethos vereinbaren, meine Patienten - wenn auch auf deren Wunsch - einem Therapeuten zu überantworten, von dem ich nicht weiß, wie fundiert seine medizinische Qualifikation ist und welchen Schaden er evtl. anrichtet.

 

Erschwerend kommt hinzu, dass für dieses Verfahren von den Kassen relativ sehr viel mehr Geld ausgegeben wird, als für regelrechte Heilmittel. Rechnungen von 50€ und mehr pro Therapieeinheit sind bei der Osteopathie keine Seltenheit. Somit bekommt der Osteopath für eine einzige Behandlung mehr Geld, als ein Kassenarzt für die Behandlung eines Patienten im ganzen Quartal.

 

 

Anfragen von Kassen, Rentenversicherungen etc.

 

Aus vielfach gegebenen Anlass möchte ich auf Folgendes hinweisen:

Die Anfragen von Krankenkassen, Rentenversicherungen, Sozialämtern, privaten Versicherungen etc. an die Hausärzte haben seit einiger Zeit inflationär zugenommen. Für die Beantwortung dieser Anfragen bedarf es jedoch meist eines größeren Zeitaufwandes, d.h., dass ich diese Anfragen nicht nebenbei, während der laufenden Sprechstunde bearbeiten kann, sondern nur in meiner Freizeit. Erschwerend kommt hinzu, dass sich viele Institionen erdreisten, für diese Stellungnahmen, die oft genug das Ausmaß einer gutachterlichen Äußerung haben, nur Dumping-Honorare zahlen zu wollen. Kein Kfz-Sachverständiger würde bspw. für

ca. 20 € ein Gutachten anfertigen. Im Falle eines kranken Menschen wird dem Arzt aber oft nur eben jener Betrag als Honorar "angeboten".

 

Ich bitte daher um Verständnis, dass die Bearbeitung solcher Anfragen in der Regel mehrere Wochen in Anspruch nimmt. Ich  bitte zudem, von Nachfragen bzgl. der Bearbeitung abzusehen. In Einzelfällen erlaube ich mir auch, eine gutachterliche Stellungnahme abzulehnen.

Informationen zum immer weiter ausufernden Hausärztemangel in Deutschland:

 

Hausärztemangel

089 / 94 41 99 00

 

Sprechzeiten:

 

Mo. bis Fr.:      9 bis 13 Uhr

Mo., Mi. u. Fr.: 15 bis 18 Uhr

Sa.:                  9 bis 11 Uhr

(in den Ferien keine Nachmittagssprechstunde)

 

Hausbesuche nach Vereinbarung Di. u. Do. nachm.

 

Nachts und am Wochenende wenden Sie sich in dringenden Fällen bitte an den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter folgender Rufnummer:

116 117

 

In akut lebensbedrohlichen Notfällen wenden Sie sich bitte sofort an die Rettungsleitstelle:

112

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© Hausarztpraxis Ploch in Feldkirchen, September 2017